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Macht auswendig lernen dumm? Dumm vielleicht nicht, aber wer in der Schule nur auswendig gelernt hat, stößt in seinem Leben gegebenenfalls einmal an Grenzen. Oberstes Ziel von Lehrern und Ausbildern ist es deshalb, Handlungskompetenz zu vermitteln. Zahlreiche Unterrichtsmethoden ermöglichen Schülern das eigenständige und selbstverantwortliche Lernen, mit dem sie optimal auf die zukünftige Berufswelt vorbereitet werden.
Leises Gemurmel und Papierrascheln, Kaffeeduft, im Hintergrund gedämpfte Radiomusik – im ersten Moment würde hier nichts an eine Schule erinnern, wenn nicht das Pferdeskelett mitten im Raum stände sowie die Tische mit Büchern und Magazinen übersät wären. Es ist der Raum 66 der Beruflichen Schule für Agrarwirtschaft in Bremen. Die angehenden Pferdewirtinnen sitzen an locker angeordneten Gruppentischen oder vor dem Computer und sind in ihre Aufgaben vertieft. Den früher typischen Frontalunterricht hat Berufsschullehrer Dietbert Arnold abgeschafft. „Der hat rein gar nichts gebracht, die Schülerinnen paukten immer nur kurz vor den Prüfungen und die Lernmotivation war generell sehr gering.“, erzählt er. In seinem Unterricht ist selbst gesteuertes Lernen angesagt, das heißt, die Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich unabhängig voneinander mit ihren eigenen Aufgaben.
Konzepte, die den schülerzentrierten Unterricht fördern, sind in den 70er Jahren als Reaktion auf bildungspolitische Diskussionen über fremdbestimmtes Lernen in Schulen und Hochschulen entstanden. Mit der Aufforderung zum lebenslangen Lernen nimmt die Bedeutung dieser Lernform stetig zu. Aber was bedeutet selbstgesteuertes Lernen?
Das selbstgesteuertes Lernen ist Weg (Mittel) im Lernprozess und Ziel des Lernprozesses zugleich. Die Schüler „sollen zunehmend befähigt werden, für ihr Lernen selbst verantwortlich zu sein, in der Bewältigung anspruchsvoller Lernaufgaben ihre Kompetenzen zu erweitern, mit eigenen Fähigkeiten produktiv umzugehen, um so dauerhafte Lernkompetenz aufzubauen. Ein solches Bildungsverständnis zielt nicht nur auf die Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit, sondern auch auf die Entwicklung von Kooperationsfähigkeit und Teamfähigkeit.“ *
Selbstgesteuertes Lernen ist damit die Grundlage für die Befähigung zum lebenslangen Lernen, das durch die ständigen Entwicklungen und Neuerungen im Berufsleben notwendig ist.
Auch die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechniken hat der Diskussion um selbstgesteuertes Lernen großen Auftrieb gegeben. Dadurch ist orts- und zeitunabhängiges lernen möglich und sie schaffen neue Voraussetzungen, aber auch Herausforderungen für selbstgesteuertes Lernen.
Dieser Herausforderung stellten sich Schülerinnen und Schüler von fünf Fachschulen für Gartenbau. Im Rahmen einer Promotion an der Berliner Humboldt-Universität wurde hier mit Erfolg ein neuartiges Unterrichtskonzept erprobt, mit dem Ziel, bei den Lernenden gleichzeitig Fach-, Methoden- und Medienkompetenzen auszubilden. Der Gebrauch des Computers im Fachunterricht fordert und fördert das selbstgesteuerte Lernen in idealer Weise. Er steht hierbei nicht als Lerngegenstand im Mittelpunkt, sondern als Werkzeug zur Informationsgewinnung, –aufbereitung und –präsentation. Die Medien- und Methodenkompetenz wird somit nicht im EDV- oder Informatikunterricht erworben, sondern ganz nebenbei durch „learning by doing“.
Die Methoden des selbstgesteuerten Lernens sind vielfältig und bieten dem Lehrer zahlreiche Möglichkeiten, einen interessanten und abwechslungsreichen Unterricht zu gestalten. Die Schüler werden motiviert, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.. Solche Unterrichtsmethoden sind beispielsweise das Lernen an Stationen, die Wochenplanarbeit, die Projektmethode, Lernen durch Lehren, das entdeckende Lernen oder die Freiarbeit.
Die komplette Beschreibung der hier zitierten Praxisbeispiele finden Sie in der Februar-Ausgabe 2007 der aid-Fachzeitschrift B&B Agrar. Die Beiträge „Selbstgesteuertes Lernen mit Neuen Medien an gartenbaulichen Fachschulen“ von Michael Martin und „Da bleibt nicht genug hängen - Lehrer Dietbert Arnold geht in der Pferdewirtausbildung andere Wege“ von Heike Engels stehen als PDF-Datei auch einzeln zum Download bereit.
Zur Ausgabe 01/07 von B&B Agrar auf aid.de
* aus: Huber, L.: Nordrhein-westfälische Richtlinien zu den Gestaltungsprinzipien des Unterrichts; Vorwort aus dem Gutachten „Förderung selbstständigen Lernens auf der Oberstufe“ (1999). Online im Internet unter learnline.nrw.de (Zitationsdatum: 8.01.2007).
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